Die seltsame Geschichte des Grünen Mannes: Blattköpfe, gestohlene Namen und das Gesicht, das niemand erklären kann September 6, 2025
Zehntausende Blattköpfe blicken von den Kapitellen, Schlusssteinen und Konsolen mittelalterlicher Kirchen in ganz Europa herab. Der Name 'Grüner Mann' wurde ihnen erst 1939 zugesprochen, entlehnt von Wirtshausschildern durch Lady Raglan, die einen heidnischen Fruchtbarkeitsgott in aller Öffentlichkeit verborgen sah. Seitdem streiten Gelehrte über die Herkunft der Schnitzereien: klassisch-römische Blattmasken, indische Tempelskulpturen, die über die islamische Welt übermittelt wurden, christliche Typologie des Kreuzesholzes oder schlicht handwerkliche Zierde. Der einzige mittelalterliche Autor, der dem Grün eine Moral zuschrieb, nannte es ein Symbol der Verdammnis. Keine einzige mittelalterliche Quelle erklärt das Motiv. Was überdauert, ist das Gesicht selbst, Eiche und Efeu aus seinen steinernen Lippen speiend, über tausend Kirchenschiffe hinweg, ungemindert von den Debatten darüber, was es bedeutet.